Die Geschichte der Piercing –Kultur
Seit einigen Jahren erfreuen sich Piercings großer Beliebtheit. Die dadurch zunehmende Akzeptanz in der Bevölkerung, hat dazu geführt, dass nicht nur junge Leute, sondern Menschen verschiedener Altersgruppen und sozialen Schichten, Freude an diesen Schmuckstücken finden.
Dabei ist das Piercen gar keine neumodische Erscheinung. Schon seit Menschengedenken wurde diese Form des Körperschmuckes getragen und spielt auch bis heute in der Kultur verschiedenster Naturvölker eine wichtige Rolle.
Die Gründe für ein Piercing als eine Art der Körpermodifikation sind und waren dabei sehr unterschiedlich.
Zum einen diente der Schmuck als Unterscheidungsmerkmal zwischen den verschiedenen Stämmen oder Volksgruppen. Andererseits wurde damit auch häufig der Übergang in eine andere gesellschaftliche Rolle oder auch in eine andere Altersklasse symbolisiert.
Meist stand dabei das dazugehörige Ritual als zeremonieller Akt im Vordergrund und nicht der Schmuck selbst.
Ein weiterer Aspekt bei diesen Frühformen des Piercens war die Prüfung der Leidensfähigkeit des zu Piercenden. Die Fähigkeit Schmerzen zu ertragen, war häufig Teil von Übergangsritualen, bei denen zum Beispiel Jünglinge in den Stand eines Jägers oder Kriegers erhoben wurde.
Bei den Ureinwohnern Asiens, Amerikas und Afrikas fand und findet man heute noch verschiedene Formen des Piercing. Meist wurden Ohrläppchen, Lippe, Nase oder auch Intimbereich durchstochen und mit verschiedenartigem Schmuck verziert.
Häufig und auch gebietsübergreifend wurden die Stichkanäle gedehnt und das nicht nur bei den Naturvölkern. Die wohl ältesten und bekanntesten Dokumentationen dieser Form des Piecings sind Bilder und Statuen des Buddha, welcher oft mit schweren Ohrringen und extrem gedehnten Ohrlöcher dargestellt wird. Auch die Totenmaske des Tut-Ench-Amun stellt den Pharao mit gedehnten Ohrlöchern dar.
In der Hochkultur der Maya galt es als ein Symbol der Unterwerfung gegenüber den Göttern, sich die Zunge durchstechen zu lassen.
Der Schmuck der meisten Hochkulturen wurde aus Gold gefertigt, während die Naturvölker meist Horn, Knochen Holz oder auch Perlmutt hierzu verwendeten.
Die Geschichte des modernen Piercing in seiner heutigen Form, beginnt in den 70er Jahren durch eine von indischen Fakiren inspirierte Gruppe von amerikanischen Fetischisten, sich für diese Art der Körpermodifikation zu begeistern wussten. Im Gegensatz zu dieser, weitestgehend in sich geschlossenen Gruppe, trug die Punkbewegung vornehmlich in England ihren Protest gegen die verhassten gesellschaftlichen Werte mit ihrem damals provokanten Auftreten und Outfits nach außen. Teil dessen waren die häufig durch Wange, Ohr und Nase gestochenen Sicherheitsnadeln.
Die beiden Amerikaner Doug Malloy und Jim Ward begannen als erste sich diesen Themas professionell anzunehmen und preisgünstigen Piercingschmuck herzustellen.
Sie entwickelten ebenso das heute als Standard geltende „Ball-Closure-System“ und etablierten den ersten Versandhandel für Piercings. Ihre Idee Schmuck aus Edelstahl, als preisgünstige Alternative zu Gold herzustellen, sorgte für eine weitere Verbreitung des Piercens. Mit zunehmender Zahl der Anhänger dieses Körperschmucks nahm auch die Zahl der Piercer und somit auch die Zahl der unqualifizierten Piercer zu, was Malloy und Ward dazu bewegte 1994 die „Association of Professional Piercers“ zu gründen, welche die Standards für verantwortungsvolles Piercen festlegen sollte.
Diesem Beispiel folgend wurde in Deutschland die „Organisation Professioneller Piercer“ gegründet. Heute sind die Freunde des Piercing selten Anhänger einer Subkultur, noch masochistisch veranlagt. Meist steht wirklich die Freude daran, seinen Körper zu schmücken im Vordergrund.