Das Setzen von Piercings
Das Wort „Piercing“ leitet sich aus dem englischen Wort „to pierce“, ab, was soviel wie durchbohren oder durchstechen bedeutet. Piercer und auch die Freunde dieser Körpermodifikation allerdings, sprechen meist aber nicht vom Stechen eines Piercings, sondern bezeichnen diesen Vorgang als „Piercing setzen“.
Prinzipiell sollte vor dem eigentlichen Vorgang des Piercens das Beratungs- und Einführungsgespräch stehen. Neben der Aufklärung über mögliche Risiken welche auftreten können, dient das Gespräch dazu, den zu Piercenden auch mental ein wenig auf den Vorgang einzustimmen und ihm auch die Nervosität zu nehmen. Auch sollten hier noch eventuelle Fragen abgeklärt werden und schon die wichtigsten Aspekte der Pflege angesprochen werden.
Das Setzen des Piercings sollte auf jeden Fall unter den Bestmöglichen hygienischen Bedingungen und unter Berücksichtigung der von der Organisation Professioneller Piercer empfohlenen Standards durchgeführt werden. So sollte immer mit sterilen Einmalhandschuhen gearbeitet werden. Sämtliches zu verwendendes Besteck muss sterilisiert und danach steril verpackt werden. Die Sterilisation erfolgt in Dampfdrucksterilisatoren. Danach wird das Material in geeigneten Kunststoffbeuteln eingeschweißt. Erst kurz vor dem Stechen des Piercings wird das Material ausgepackt. Es darf dann auch nur noch mit den sterilen Handschuhen angefasst werden. Als Unterlage für Besteck, wird häufig die Verpackung der Einmalhandschuhe mit der Innenseite nach oben, auf die Ablagefläche verwendet. Besser eignet sich hierfür aber ein steriles Tuch. Die Arbeits- und Ablagefläche sollte dabei günstiger Weise aus Edelstahl oder einem anderen im medizinischen Bereich Verwendeten Werkstoff, wie beispielsweise Corian bestehen, da diese besonders gut zu reinigen sind und Bakterien keinen Lebensraum bieten.
Ein wirklich verantwortungsvoller Piercer trägt während des Eingriffs einen Mundschutz.
Um Infektionen zu vermeiden wird die zu piercende Körperstelle als erstes desinfiziert. Vorher kann es unter Umständen nötig sein, die entsprechende Körperstelle zu enthaaren.
Danach wird die Eintritts und Austrittsstelle des Stichkanals angezeichnet.
Die Stelle wird dann mittels einer Pinzette oder einer speziellen Zange, welche am Ende der Klemmen zwei runde Durchlässe für die Nadel hat, fixiert. Dies ist jetzt neben dem anatomisch korrekten Einzeichnen der Ein- und Austrittstelle, der Akt, welcher am meisten Geschick und Übung verlangt. Je nach Lage und Art des Piercings, kann die entsprechende Körperstelle mit Eisspray betäubt werden. Eine Betäubung mittels Injektion ist in Deutschlang nur dafür ausgewiesenen Ärzten und Heilpraktikern erlaubt und kommt beim Piercen praktisch gar nicht zum Einsatz. Das Stechen an sich erfolgt in der Regel mit einem peripheren Venenkatheter, umgangssprachlich auch Venüle genannt. Nach dem Durchstechen wird die Nadel zurückgezogen, während der Überzug der Nadel, die Kanüle, im Stichkanal verbleibt. In diese Kanüle wird nun der Schmuck eingeführt und beides vorsichtig zurück durch den Stichkanal gezogen und der Schmuck verschlossen. Der Erstschmuck sollte auf jeden Fall aus Titan bestehen, da dieses Material absolut biokompatibel und antiallergisch ist. In der Regel wird das neue Piercing nun mit einem sterilen Pflaster abgedeckt.
Bei verschiedenen Körperstellen, wie beispielsweise dem knorpeligen Teil des Ohres, kann es vorteilhafter sein die Methode des „Dermal Punch“ zu verwenden. Hierbei wird mit einer Hohlnadel ein Stück des Gewebes „herausgestanzt“. Wenngleich etwas schmerzhafter, hat dies den Vorteil des schnelleren Heilungsverlaufs, da weniger Druck auf die Wunde ausgeübt wird.