Traditionelle Piercings
Piercing ist, wenn auch nicht unter dieser Bezeichnung eine mehrere tausend Jahre alte Tradition unter den Naturvölkern der Welt. Das Durchstechen von Ohren Nase Lippe oder auch anderen Körperpartien kann kulturübergreifend und über verschiedenste Epochen hinweg beobachtet werden. Die Intention dabei war und ist dabei teils sehr unterschiedlich.
Während mache Völker das Stechen lediglich zur Anbringung von Schmuck oder auch Stammessymbolen nutzten, lag der Schwerpunkt in anderen Kulturgruppen eher auf dem Ritual selber. Oftmals wurde damit die Leidensfähigkeit desjenigen getestet. Häufig wurde damit auch der Übergang in eine andere gesellschaftliche Stellung, beispielsweise in die eines Jägers oder Kriegers zelebriert. Aber auch in weiterentwickelte Kulturen, wie bei den Maya und Inka gehörten Piercings zum Alltagsbild.
Die traditionellen Schmuckmaterialien sind heute aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen verpönt, zumal es heutzutage mit Edelstahl und Titan besonders hautfreundliche und antialle5rgische Materialien gibt.
Es gibt heute eine ganze Menge an Formen des Piercings, welche aus dem traditionellen Piercing entstanden. Bei den Ureinwohnern der verschiedenen Kontinente wurden in erster Linie die Ohren, die Nase und die Lippen durchstochen und mit Schmuck aus Holz, Stein, Horn, Perlmutt und Knochen verziert. Seltener wurden auch einfache Metalle verwendet.
Häufig wurden die Schmuckstücke zum Dehnen der Stichkanäle, ähnlich wie die heute verwendeten „Streching Tools“, konisch gearbeitet.
Auch Intimpiercings lassen sich bei vielen Kulturen nachweisen.
Die früheren Hochkulturen der Maya und Inka stellten ihren Schmuck in der Regel aus Gold, Silber und Edelsteinen her. Auch deuten Zeichnungen darauf hin, dass bei diesen Völkern, ebenso wie bei den alten Ägyptern die Ohrlöcher gedehnt wurden, wie es auch seit einigen Jahren in unserem Kulturkreis praktiziert wird. Das extreme Dehnen der Ohrlöcher aber auch der Unterlippe sind noch heute bei einigen Völkern Afrikas und Asiens zu beobachten. Nasenringe kann man neben den Ohrringen zu den traditionellen Piercings zählen. In Indien sind diese Formen des Schmucks, als Piercing durch die Nasenflügel oder aber durch den unteren Bereich der Nasenscheidewand schon seit Jahrtausenden bekannt. Heute kennt man diese Formen unter dem Namen Nostril und Septum. Die Schmuckstücke sind im Gegensatz zu denen des westlichen Kulturkreises eher kunstvoll gestaltet und mit Schmucksteinen verziert und haben teilweise auch einen spirituellen Hintergrund. Und auch das von einigen Piercing-Jüngern praktizierte Suspension, das Aufhängen des Körpers an Haken, findet seinen Ursprung in Indien. Während diese Praktik in Indien einen religiös- spirituellen Hintergrund hat, ist die westliche Variante eher als Fetisch zu sehen.
Im westlichen Kulturkreis lässt sich bis auf das Tragen von Ohrschmuck und entgegen mancher anders lautender Behauptungen, keine Tradition des Piercens nachweisen. Die Römer und Griechen lebten nach dem Ideal des unversehrten Körpers. Während auch Frauen hier schon immer Ohrlöcher tragen durften, war es bei Männern nur den Zimmerleuten im Zuge ihrer „Walz“ gestattet sich ein Ohrloch mit dem Zimmermannsnagel zu stechen.
Im 18. und 19. Jahrhundert gab es im höfischen Bereich einige Tendenzen zu Brustpiercings, eine Mode, die aber schnell wieder in Vergessenheit geriet. Bekanntestes Überbleibsel aus dieser Zeit ist der so genannte Prinz Albert. Dieses Intimpiercing wurde nach seinem prominenten Träger, dem Ehemann von Königin Victoria von England benannt.